Eigentlich kann ich gar nicht(s) mehr sagen.
Eigentlich kann ich gar nichts mehr sagen.
Ich bin innerlich total zerstreut, durcheinander, gestresst, ahnungslos, beschwert.
Es gibt so viel, dass falsch läuft, dass mich durcheinander bringt.
Aber es gibt immer noch schöne Momente- die jedoch leider nicht ausgleichend sind.
Ich will so gerne mein altes Ich, ein anderes Ich zurück, aber ich bin zu schwach es mir zurückzuholen, weiß nicht, wo ich es finden kann, habe überall gesucht, bereits alles probiert, bin jeden Weg gegangen.
Ich weiß nicht, was mit mir passiert, was mich erwartet, was auf mich zukommen wird, aber ich will es womöglich nicht wissen.
Ich bin so planlos, verzweifelt, traurig, von Leere erfüllt, von Durcheinander geplagt,
dass sich mein Kopf mit Tränen füllt, meine Stimme zerfällt, mein Herz Aussetzer hat, meine Gelenke schwer werden, jede Bewegung schmerzt, meine Gedanken und Gefühle wie in Vakuum zerstreut sind, durcheinander fliegen, zusammenprallen.
Was soll ich tun?
Beim allerkleinsten Schmerz, der meine Seele piekst, der meine Gefühle verletzt, der mein Bewusstsein erdrückt, meine Lunge erstickt, meinen Körper in Eiswasser taucht, mein Ich mit Strom durchfährt, wird alles noch schlimmer.
Mein Kopf platzt, meine Augen laufen über, meine Gefühle implodieren, Körperzellen wüten in mir, vergessen ihre Aufgaben, meine Lunge zieht sich zusammen, gibt sich auf, gibt alle Luft frei, mein Herz lässt los, mein Körper kann sich nicht halten- er fällt. Egal wann, wo, unverständlich.
Niemand kann es verstehen, kann diese Schmerzen nachvollziehen, scheint dieses Durcheinander zu durchblicken.
Ich bin verloren- in einer Welt von Schatten, Durcheinander, Chaos, das man nicht sehen, nicht fühlen, nicht nachvollziehen, nicht empfinden, nicht erfassen kann.
Bin ich krank? Empfinde ich „falsch“? Habe ich „andere“ Gedanken? Fühle ich „unnormal“? Sehe ich das „anders“?
Aber diese Leere, dieses Chaos tut schon gar nicht mehr weh- mein Körper ist voller Schmerzen, die ineinander verschmelzen, dass mein Kopf sie nicht mehr erfasst. Ich kann nicht beschreiben, was ich bin. Weiß nicht wer, woher, warum, wohin.
Wolken ziehen so oft über all unsere Köpfe, die so schwer sind, so groß und so viele sind- in unseren Augen. Sie überfliegen unsere großgeredete, intensiv wahrnehmbare kleine Welt, wiederholen ihren Kreislauf immer wieder; werden nicht müde, nicht gestört, nicht berührt, nicht zu Ende gehen.
Ich höre Musik, fühle die Vibration der Klänge in jeder Körperzelle. Lebe in der Musik, von der Musik, durch die Töne hindurch, mit der Musik. Jeden Tag. Jeder Ton verstärkt noch den Schmerz, der in mir vibriert, die Zellwände zerspringen lässt, ein großes Feuerwerk in mir auslöst und nichts kann diese Qualen von mir lösen. Nichts. Keiner.
Ich spüre einen Luftzug, der mein Gesicht umfasst, Sensoren in meiner Haut dazu bringt meinem Kopf zu sagen, dass die Luft kühl ist, doch mein Kopf ist voll und leer und von Durcheinander besetzt. Der Luftzug durchflutet meine Atemwege, durchdringt all das Chaos und drückt es auseinander; doch nur für einen Moment, bevor er meinen Körper wieder verlassen muss, den Widerstand kann er nicht mehr halten, gewährt dem Chaos dessen Fortlauf.
Ich beobachte Vögel. So unbeschwert, gleiten durch nichts, durch Luft, schweben, stürzen nicht. Ihre Gedanken müssen leicht sein, dürften beinahe nichts wiegen. Kein Chaos kann sie beherrschen, wie könnten sie sich sonst in Nichts halten?
Eine Begabung. Ein Talent. Ein Hauch von Schwerelosigkeit. Ein einfaches, gedankenleichtes Lebenskonzept.
Ich werde von Dunkelheit überflutet, gereizt, verängstigt, schutzsuchend gemacht.
Was bringt sie mit sich? Es ist ein Rätsel, eine Versuchung, viele Sternbilder, weit entfernte Planeten, auf einen Blick das ganze Universum, alles was sich darin befindet. Ein Gefühl von Leere die nicht einmal in eine Seele, einen Kopf, einen Körper gezwängt werden könnte. So viel Leere, Nichts? So viele unerfasste Gefühle, Gedanken. So vieles, das was diese Leere, Nichts, doch mit sich bringt? All das kennen wir nicht, benutzen wir nicht, brauchen wir nicht?
Ich schaue aus dem Fenster. Sehe ein Universum, verloren in sich selbst, dass uns alle, alles was uns zuvor kam, was uns folgen wird, alles überlebt. Das unerfassbarer sein müsste als die Leere, das Chaos in meinem Kopf.
Das sich hält, egal was kommt und trotz allem was für uns kleinen Menschen so schlimm, weltvernichtend, grausam, zerstörend, tötend erscheint, nicht zu Grunde gehen kann, weil es kein „Aufgeben“, „Verzweifeln“ kennt, keine Schmerzen fühlt. Nicht mehr?
Und wenn meine Aufgabe als einer von uns doch ist für diese Welt, unsere Welt zu denken, dieses komplexe System unseres Planeten zu verstehen, alle Prozesse nachvollziehen zu können- fühle ich mich klein, schwach, wehrlos, unbedeutend, schwer, als belastend, dumm, als ein niemand in dieser großen Welt, die niemand kontrollieren, steuern, regeln, erklären, beweisen, erfassen kann.
Doch das gibt mir Kraft und Mut, denn das gibt diese Eine Gemeinsamkeit zu jedem Anderen Menschen auf dieser kleinen Erde in diesem leeren, großen aus nichts bestehenden Universum, das sogar unerklärbarer, unerfassbarer ist als das Chaos und die Leere in meinem Kopf.
Christa E. 15.09.10




